Autoriksha (kurz "Auto"): gelb, drei Räder, die Teile fahren immer und überall. Sie sind mehr oder weniger defekt, das Taximeter ist entweder funktionsuntüchtig, nicht existent oder bedeutungslos. In jedem Fall wird es in Chennai nicht benutzt. Man verhandelt den Fahrpreis grundsätzlich am Anfang, und dafür sollte man schon wissen, was die Fahrt "wert" ist. Da spielen neben der Entfernung Faktoren wie Verkehrslage, Tageszeit, Anzahl der Mitfahrer (theoretisch unbegrenzt), Straßenzustand, Alter und Gemütszustand des Fahrers, Hautfarbe der Fahrgäste und natürlich das Verhandlungsgeschick eine Rolle. Man muss dabei einkalkulieren, dass unterwegs möglicherweise noch ein Freund des Fahrers mitgenommen wird, ein Stopp zum Abbau gewisser (entbehrbarer) Fahrzeugteile eingelegt oder getankt wird. Geschieht dies, bevor die Riksha liegen bleibt, sollte man es dankbar und wohlwollend registrieren. Gelegentlich muss der Fahrer ermutigt werden, nach dem Weg zu fragen. Hat er seine Orientierungslosigkeit hinreichend nachgewiesen, sollte man auch den vorzeitigen Ausstieg in Erwägung ziehen (kam bei uns bislang allerdings nur einmal vor).Für direkte Verbindungen und Eilige also unentbehrlich, auf die Dauer und für lange Strecken aber zu teuer - und dazu stauanfällig.
Share Auto: ebenfalls gelb, ebenfalls drei Räder, verschiedene Größen (in unserer Gegend geringfügig größer als eine Autoriksha). Anderswo auch als Sammeltaxi bekannt. Relativ billig, teilweise überfüllt, fährt nur bestimmt Routen. Diese erfragt man jeweils vom Fahrer, der sie nach eigenem Ermessen festlegt. Erfordert eine gewisse Orts- und Sprachkenntnis, denn angegeben wird vom Fahrer nur den Zielort, und das nicht immer sehr verständlich. Share Autos halten an bestimmten Haltestellen und nach Bedarf. Enger Kontakt zu den grundsätzlich sehr interessierten Einheimischen ist garantiert, des öfteren auch verbal (kürzlich sogar auf Deutsch).
Suburban train: vergleichbar mit unserer S-Bahn, das Netz in Chennai besteht allerdings im wesentlichen aus einer einzigen langen Strecke. Unser Lieblingsverkehrsmittel, weil stau-unanfällig und sehr billig (durchschnittlicher Fahrpreis: 8 cent). Dafür chronisch überfüllt. Im Ladies' Abteil ist es etwas besser, aber auch nicht immer (siehe Foto). Auf keinen Fall zu empfehlen für kontaktscheue Menschen. Etwas Abhilfe verspricht die erste Klasse, die sich jedoch auch nur durch die Anzahl der Fahrgäste vom Rest unterscheidet – und durch den Preis: ein Ticket kostet das 10-fache des normalen Fahrpreises.Eine neue Entdeckung: Die Waggons haben tatsächlich Türen. Die Türöffnungen werden jedoch häufig durch hervorquellende Passagier-Trauben blockiert, außerdem sind diese Plätze wegen des angenehmen Fahrtwindes gerade bei jüngeren Fahrgästen sehr beliebt. Neben 1. und 2. Klasse und Ladies' Abteil gibt es noch die Vendors' Abteile für die Verkäufer mit ihren häufig sperrigen Ladungen.
Bus: Der Landeschef von Tamil Nadu hat vor Kurzem der Anschaffung von 1000 neuen Bussen zugestimmt. Das sagt einiges über die Bedeutung dieses Verkehrsmittels, gleichzeitig aber auch über den Zustand des durchschnittlichen Exemplars. Es gibt bereits ein paar neuere, und wenn man zur richtigen Tageszeit unterwegs ist, kann man sich damit auch ganz angenehm und sehr günstig fortbewegen. Häufig erlebt man jedoch als Busfahrer die Tücke des Doppelstaus: Verstopfung drinnen und draußen gleichzeitig. Da wird die Fortbewegung zur Tortur, denn wir befinden uns in den Tropen. Unsere persönliche Erfahrung mit diesen Dingern beschränkt sich auch deshalb bislang auf ein Minimum, weil die Beschriftungen der Busse häufig nur auf Tamil gehalten sind - was wir nicht lesen können.
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