Donnerstag, 24. April 2008

Haustier Spezial

Als wir heute morgen von einem lauten Krach geweckt wurden, war unser erster Gedanke: Die Kinder! Falsch gedacht. Richtig war: Die Termiten.
Ihr Fleiß der letzten Wochen wurde heute morgen mit einem fulminanten Knalleffekgt belohnt. Der Boden unseres Hängeschrankes in der Küche hatte sich dank ihrer Bemühungen über Nacht so weit abgesenkt, dass die Glas-Schiebetüren nach vorne klappten und auf dem Küchenboden zerbarsten – erst eine, dann die andere. Diesen kleinen Zwischenfall nehmen wir zum Anlass, Euch unsere Haustiere (und die vieler anderer Inder) mal kurz vorzustellen.


Die Ameisen
Als Nicht-Botaniker sei mir verziehen, dass ich keine allzu wissenschaftliche Einteilung vornehme. Wir begegnen hier täglich folgenden Arten: Groß, normal, klein, sehr klein (und sehr flink) – und eben den Termiten; wegen ihrer Farbe hier auch „white ants“ genannt. Letztere bekommt man kaum zu Gesicht, denn sie arbeiten in der Stille im Verborgenen. Wenn man den Finger in die Schranktüren bohren kann (wie etwa bei unserem Schlafzimmerschrank), dann sind sie fast fertig mit der Arbeit. So wird dieser Schrank auch nur noch als Regal genutzt. Die beiden kleinere Sorten treten immer dann verstärkt auf, wenn es irgendwo gekrümelt hat. Und es ist immer wieder erstaunlich, wie schnell sie dann zur Stelle sind. Wenn sie es übertreiben, rücken wir ihnen mit Ameisengift auf die Pelle, erheblich gesünder und genauso wirkungsvoll ist allerdings kochendes Wasser.

Mücken
Während sich die Ameisen als Aufräumkommando noch nützlich machen, so gilt spätestens bei diesen Plagegeistern:
Tote Mücke = gute Mücke. Sie sind nicht nur potentielle Überträger diverser Tropenkrankheiten, sie treten auch scheinbar in beliebig großen Zahlen auf und sind nur mit äußerster Mühe zu stoppen. Moskitonetze vor den Fenstern, über den Betten, und unsere elektroschockenden Tennisschläger (auch liebevoll „Karmabeschleuniger“ genannt), die Chemiekeule – bei ihnen ist uns mittlerweile jedes Mittel recht.

Ratten

Erst vor ein paar Tagen saß ich am Rechner, da sah ich plötzlich noch, wie ein langer Schwanz 50 cm von meinen Füßen gemächlich unter dem Schrank verschwand. Sie war nicht die erste ihrer Art in unserer Wohnung, aber die Dreistigkeit erstaunte mich doch. Gut möglich, dass sie und ihresgleichen in unserer strenggläubigen Nachbarschaft eher gefüttert als gejagt werden. Tatsache ist, dass Ratten in manchen Gegenden Indiens angebetet und mit kostbarer Milch 
verwöhnt werden. Umso größer muss die Überraschung derjenigen gewesen sein, der ich mit etwas Glück eine volle Ladung Kakerlakenkillerspray direkt in die Visage platzieren konnte. Sie stellte daraufhin ihre Besuche ein und ich hatte meinen (als Abort missbrauchten) Schuh wieder für mich alleine. Auch an den Klimaanlagen sind Ratten aktiv. Eine blockierte unlängst unter höchstem Einsatz das Lüftungsrad unseres Schlafzimmeraggregats.

Geckos
Diese unschlagbaren Wand- und Fassadenkletterer sind wirklich nützlich, ernähren sie sich doch von den verhassten Mücken – leider ohne deren Bestand spürbar reduzieren zu können. Die Begeisterung unserer Kinder für sie ist nach wie vor groß. Wenn sie nicht gerade in die Suppe fallen (ist uns noch nicht passiert), sind sie völlig ungefährlich. Aus dem Moskitonetz verjagen wir sie dann aber doch. Sehr zum Leidwesen von Linda, die den netten Genossen lieber als Haustier behalten hätte und kurzerhand „Lila“ taufte.

Kakerlaken (Lydia: „Lakakake“)
Tauchen bei uns 
relativ selten auf, man entdeckt sie aber dafür überall – ob bei den Nahrungsmitteln im Küchenschrank, in den Regalen der Supermärkte, zwischen Kleidungsstücken in Geschäften. Überall eben, wo es warm und feucht ist. Sie einfach zu zerquetschen ist nicht ratsam, denn abgesehen von der Schweinerei sollte man vermeiden, dass die Eier auf diesem Weg verstreut werden. Auch hier hilft der Elektroschock oder der wohldosierte Klaps.

Hundertfüßler
 
Achtung: giftig. Schon lange hat uns keiner mehr beehrt, und das darf auch so bleiben.

Mittwoch, 16. April 2008

Sarah's April-Impressionen


Erlebnis einkaufen

Wer zuerst kommt kauft zuerst – so läuft das in Deutschland. Hier nicht.
Heute stand ich an der Kasse und wartete geduldig, bis ich an der Reihe war. Aber oh Wunder, als es so weit war, guckte der Verkäufer die Leute hinter mir an und fing an, sie zu bedienen. Frustriert drehte ich mich um und verließ den Laden.

Indisch einkaufen funktioniert mit dem ganzen Körper: Sobald man den Verkäufer mit dem Arm erreichen kann, schiebt man ihm das Geld direkt vor die Nase, vorbei an den anderen, die selber Schuld sind wenn sie sich nicht behaupten wollen. So funktioniert das auch beim Fahrkartenkaufen, egal wie lang die Schlange ist. Wer keine Lust hat zu warten, drängelt sich einfach so dicht wie es geht an den Verkäufer, wedelt mit allem was er hat direkt vor dem Gesicht des armen Mannes rum und redet am besten auf ihn ein (was mir leider etwas schwerer fällt).

Fazit: Gerechtigkeit ist relativ, besonders auf dem Markt.


Erlebnis Straße überqueren

Auf dem Weg zum Markt:

ich habe mir ja angewöhnt erst rechts dann links zu gucken, was aber auch keine Garantie für ein gesundes Überqueren der Straße bietet. Hier gilt: Ich fahre da, wo es für mich am praktischsten ist, die Straßenseite ist zweitrangig. Naja - irgendwie schaffen es die Inder in ihrem Chaos ruhig und gelassen zu bleiben. Man sieht nur selten das sich jemand aufregt.

Aufregung gibt es aber wenn ich dem Automan (Rikshafahrer) das Geld mit der linken Hand gebe. Ist mir letztens wieder passiert. Erst musste ich überlegen: Was will er denn? Dann kam die Erleuchtung: Ah die falsche Hand. Die Rechte gilt als "saubere" Hand, links wird mit unrein assoziiert.


Persönliches

Es fällt mir manchmal schwer die Kultur zu verstehen, manchmal sogar sie ernstzunehmen. Es gibt so viel für mich Unglaubliches, dass ich immer wieder an die Schildbürgergeschichten denken muss, die wir in der Schule gelesen haben. Schwangere Frauen tragen prinzipiell keine Unterwäsche – das wäre schlecht fürs Kind. Kinder dürfen nicht plantschen, davon werden sie krank. Ananas verursacht Halsschmerzen, und die Kinder tragen alle eine schwarze Kordel um den Bauch damit der Oberkörper grade wächst und sie keinen Hängebauch kriegen.
Von kaltem Wasser kriegt man Kopf- und Halsschmerzen. (Die Klimaanlagen werden aber volle Pulle aufgedreht, wo es sie gibt.)

Unsere Straße wurde zur etwas von uns entfernt Einbahnstraße erklärt, obwohl sie sehr breit ist und sogar von einem Mittelstreifen getrennt wird. Das verursacht erhebliche Umwege und Mehrkosten beim Rikshafahren. In der Zeitung wurde kürzlich Ungeheuerliches berichtet: Jemand hatte doch tatsächlich einen Haufen teurer Cashewnüsse an den Straßenrand gekippt. Ein echter Skandal!


Indien Nord und Süd – Unterschiede

Hier im Süden erleben wir die Menschen sehr viel religiöser und ihrem Glauben hingegebener als im Norden. Im Norden (genau genommen Nordosten) sieht man viele Jugendliche recht modern gekleidet rumlaufen, im Süden dagegen sind Erziehung und Lebenstil wirklich noch mehr traditionell indisch geprägt.
Es war im beschaulichen Kalimpong erheblich leichter, westliche Nahrungsmittel zu kaufen als in der 8-Millionenstadt Chennai (z.B. Müsli, Schokocreme, Brot). Im Norden - zumindest in Westbengalen - erscheint vieles sauberer, organisierter, einfach westlicher.

Indien ist liebenswert, mit all seinen Düften und Eigenheiten, und dem immerwährenden Chaos. Trotzdem braucht man ein besonderes Herz für die Menschen, wenn man hier langfristig glücklich sein möchte. Wenn ich mir bewusst mache, dass Gott sie so liebt wie sie sind, dann muss ich daran denken, dass wir in Europa das Chaos einfach nur besser verstecken können - hinter unseren 4 Wänden oder hinter unserer gutorganisierten Maske. Es bleibt dabei: Denn so sehr hat Gott die Inder geliebt.....



Sonntag, 6. April 2008

Zurück im Glutofen Chennai

"Mir ist so schwitzeheiß" - Lindas Wortkreation drückt treffend aus, wie wir uns nach unserer Rückkehr aus den Bergen in unser südindisches Heim fühlen. Aber es gibt Schlimmeres - und es gibt Klimaanlagen -, und so verdauen wir erstmal mit einer großen Portion Dankbarkeit die vergangenen vier Wochen. Wir haben sehr viel gesehen, gelernt und erlebt. Das könnt ihr vielleicht am besten nachvollziehen, wenn ihr die Bilder in unserem neuen Fotoalbum "Unsere Reise in den Norden" anschaut. Viel Spaß dabei!