Sarah's April-Impressionen
Erlebnis einkaufen
Wer zuerst kommt kauft zuerst – so läuft das in Deutschland. Hier nicht.
Heute stand ich an der Kasse und wartete geduldig, bis ich an der Reihe war. Aber oh Wunder, als es so weit war, guckte der Verkäufer die Leute hinter mir an und fing an, sie zu bedienen. Frustriert drehte ich mich um und verließ den Laden.
Indisch einkaufen funktioniert mit dem ganzen Körper: Sobald man den Verkäufer mit dem Arm erreichen kann, schiebt man ihm das Geld direkt vor die Nase, vorbei an den anderen, die selber Schuld sind wenn sie sich nicht behaupten wollen. So funktioniert das auch beim Fahrkartenkaufen, egal wie lang die Schlange ist. Wer keine Lust hat zu warten, drängelt sich einfach so dicht wie es geht an den Verkäufer, wedelt mit allem was er hat direkt vor dem Gesicht des armen Mannes rum und redet am besten auf ihn ein (was mir leider etwas schwerer fällt).
Fazit: Gerechtigkeit ist relativ, besonders auf dem Markt.
Erlebnis Straße überqueren
Auf dem Weg zum Markt:
ich habe mir ja angewöhnt erst rechts dann links zu gucken, was aber auch keine Garantie für ein gesundes Überqueren der Straße bietet. Hier gilt: Ich fahre da, wo es für mich am praktischsten ist, die Straßenseite ist zweitrangig. Naja - irgendwie schaffen es die Inder in ihrem Chaos ruhig und gelassen zu bleiben. Man sieht nur selten das sich jemand aufregt.
Aufregung gibt es aber wenn ich dem Automan (Rikshafahrer) das Geld mit der linken Hand gebe. Ist mir letztens wieder passiert. Erst musste ich überlegen: Was will er denn? Dann kam die Erleuchtung: Ah die falsche Hand. Die Rechte gilt als "saubere" Hand, links wird mit unrein assoziiert.
Persönliches
Es fällt mir manchmal schwer die Kultur zu verstehen, manchmal sogar sie ernstzunehmen. Es gibt so viel für mich Unglaubliches, dass ich immer wieder an die Schildbürgergeschichten denken muss, die wir in der Schule gelesen haben. Schwangere Frauen tragen prinzipiell keine Unterwäsche – das wäre schlecht fürs Kind. Kinder dürfen nicht plantschen, davon werden sie krank. Ananas verursacht Halsschmerzen, und die Kinder tragen alle eine schwarze Kordel um den Bauch damit der Oberkörper grade wächst und sie keinen Hängebauch kriegen.
Von kaltem Wasser kriegt man Kopf- und Halsschmerzen. (Die Klimaanlagen werden aber volle Pulle aufgedreht, wo es sie gibt.)
Unsere Straße wurde zur etwas von uns entfernt Einbahnstraße erklärt, obwohl sie sehr breit ist und sogar von einem Mittelstreifen getrennt wird. Das verursacht erhebliche Umwege und Mehrkosten beim Rikshafahren. In der Zeitung wurde kürzlich Ungeheuerliches berichtet: Jemand hatte doch tatsächlich einen Haufen teurer Cashewnüsse an den Straßenrand gekippt. Ein echter Skandal!
Indien Nord und Süd – Unterschiede
Hier im Süden erleben wir die Menschen sehr viel religiöser und ihrem Glauben hingegebener als im Norden. Im Norden (genau genommen Nordosten) sieht man viele Jugendliche recht modern gekleidet rumlaufen, im Süden dagegen sind Erziehung und Lebenstil wirklich noch mehr traditionell indisch geprägt.
Es war im beschaulichen Kalimpong erheblich leichter, westliche Nahrungsmittel zu kaufen als in der 8-Millionenstadt Chennai (z.B. Müsli, Schokocreme, Brot). Im Norden - zumindest in Westbengalen - erscheint vieles sauberer, organisierter, einfach westlicher.
Indien ist liebenswert, mit all seinen Düften und Eigenheiten, und dem immerwährenden Chaos. Trotzdem braucht man ein besonderes Herz für die Menschen, wenn man hier langfristig glücklich sein möchte. Wenn ich mir bewusst mache, dass Gott sie so liebt wie sie sind, dann muss ich daran denken, dass wir in Europa das Chaos einfach nur besser verstecken können - hinter unseren 4 Wänden oder hinter unserer gutorganisierten Maske. Es bleibt dabei: Denn so sehr hat Gott die Inder geliebt.....
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen